16 Dez

„Sie drohten mit Vergewaltigung, sagten, sie würden mich zur Gestapo oder in den Wald bringen“.

Achtung: Polizeigewalt und Folter

Mikalai Dziadok Geschichte, von Radio Svaboda.

Am 12. November berichtete das Innenministerium über die Verhaftung des anarchistischen Bloggers Mikalai Dziadok. Dann behauptete der Pressedienst des Ministeriums, dass der Verhaftete „aktiv mit den Ermittlungsbehörden zusammenarbeitet und Geständnisse abgibt.“ Gleichzeitig geht aus dem Protokoll, das zusammen mit der Pressemitteilung der Polizei veröffentlicht wurde, hervor, dass Dziadok schwer verprügelt wurde. Nun wird ihm vorgeworfen, Aktionen organisiert zu haben, die die öffentliche Ordnung grob verletzen (Artikel 342 des Strafgesetzbuches). Von der Person, mit der Dziadok in der Untersuchungshaftanstalt in Okrestina sprechen konnte, erfuhr „Mediazona“ die Details der Festnahme des Anarchisten.

Die Quelle, die aus Sicherheitsgründen anonym bleiben wollte, erzählte „Mediazona“, dass laut Mikalai Dziadok die Sicherheitskräfte am 11. November gegen 23:00 Uhr in seine Mietwohnung in der Stadt Sosnovy kamen. „Sie schlugen die Fenster ein und sieben Leute von einer Spezialeinheit der Polizei und OMON (Bereitschaftspolizei) stürmten die Wohnung“, erinnert sich die Quelle der Geschichte des Anarchisten.

„Am Anfang fingen sie an, [ihn] zu schlagen, um ein Passwort zu bekommen, um in den Laptop zu gelangen usw., dann begannen sie, ihn mit einem Kissen die Luft anzudrücken . Als [er] zu ersticken begann, gab er das Passwort. Dann wurde [er] so lange geschlagen, bis er sich an das Passwort für das soziale Netzwerk „Telegram“ erinnerte, so die Quelle.

Dann lag Mikalai für einige Zeit auf dem Boden – die Beamten ließen ihn nicht den Kopf heben, aber der Blogger erinnerte sich, dass sie in der Wohnung herumliefen. Bald brachten sie Zeugen und durchsuchten die Wohnung. „[Ihm] wurde sofort gesagt, er dürfe vor den Zeugen kein Wort sagen“, berichtet der Gesprächspartner von „Mediazona“.

„Bei der Durchsuchung wurden drei Flaschen aus der Nische mit den Werkzeugen genommen, die [nicht in der Wohnung] waren, und sie rochen sehr stark nach Benzin. Aber die Flaschen waren in ein Handtuch eingewickelt, das er in der Küche benutzt hat“, erinnerte sich Mikalai im Gespräch mit der Quelle. Später sagten belarussische Massenmedien, dass die Molotow-Cocktails in Mikalais Wohnung gefunden wurden.

Die Anwältin Natalia Matskevich erzählte, dass Mikalai Dziadok während seiner Verhaftung geschlagen wurde. Die Verteidigerin beantragte eine gerichtsmedizinische Untersuchung.

„Ich kann sagen, dass ich mehrere Klienten hatte, die aus Tschetschenien geflohen sind, nachdem sie gefoltert wurden und in Belarus zur Ausweisung festgehalten wurden. Aber ich hätte nie gedacht, dass solche Geschichten in unserem Land passieren würden“, sagte Matskewitsch, ohne die Details der Verhaftung ihres Mandanten zu nennen.

Nach der Durchsuchung sagten die Beamten Mikalai Dziadok, dass sie nun ein Video aufnehmen würden. Sie drängten ihn in eine Speisekammer und sprühten Tränengas rein. „Dann brachten sie ihn nach draußen und spritzen ihm Pfefferspray ins Gesicht, direkt in seine Augen. Sie sagten, wenn er nicht auf dem Video sprechen würde, würden sie ihn sein Gesicht nicht waschen lassen. Sie steckten ihn ins Haus, und bis das Video gedreht war, ließen sie ihn nicht sein Gesicht waschen“, wiederholte die Quelle von „Mediazona“ die Worte des Anarchisten.

Auf der Aufnahme, die vom Pressedienst des Innenministeriums verbreitet wurde, tränen Mikalai Dziadoks Augen offensichtlich. Quelle: Spring96.org

„Die ganze Zeit drohten sie damit, ihn zu vergewaltigen, auf ihn zu pissen, und sagten, sie würden ihn zur Gestapo oder in den Wald bringen“, fährt die Quelle fort.

Gegen 1.30 Uhr wurde Dziadok in einen Kleinbus gesetzt und nach Minsk zum Hauptbüro der GUBOPiK (Hauptdirektion für die Bekämpfung der organisierten Kriminalität und Korruption) gebracht. Der Blogger erzählte der Quelle „Mediazona“, dass er dort mit dem Gesicht auf den Boden gelegt wurde und vier Stunden in dieser Position verbrachte.

„Er wurde aufgefordert, das VeraCrypt Passwort, von seiner Festplatte zu sagen und wer die Administratoren, von dem anarchistischen Newsportal „Pramen“ und „ABC-Belarus“ sind. Als er schwieg, schlugen sie ihn mit Schlagstöcken in den Rücken und die Beine“, – sagt die Quelle von Mikalais Geschichte.

Er wurde mit einem Knüppel bedroht, auf die Hände und auf die Fersen mit einem Elektroschocker geschlagen; als er den Kopf hob, traten sie darauf – das ging bis 5 Uhr morgens.

„Sie nahmen Flaschen, die sie angeblich in der Wohnung gefunden hatten, steckten ihm Hälse in den Mund, zwangen ihn, darauf zu spucken, und rieben sie dann ab. Sie wurden ihm gegeben, damit er einige Papiere unterschreibt“, sagte Dziadok dem Gesprächspartner von „Mediazona“.

Nachdem die Polizisten verlangten, dass der verhaftete Anarchist den von ihnen geschriebenen Text noch einmal vor der Kamera äußert – „sagten sie, dass sie ihn schlagen werden, wenn er etwas Falsches sagt. Wenn er noch etwas über Polizisten oder über jemanden von der GUBOPiK (Hauptdirektion für die Bekämpfung von organisiertem Verbrechen und Korruption) sagt, werden sie ihn erneut schlagen, und zwar noch härter.

Laut der Quelle weiß Mikalai Dziadoks nicht, wer ihn verhört hat – die Teilnehmer der Verhaftung und Durchsuchung haben sich nicht vorgestellt und trugen Masken. Sie „versprachen“, dass der Anarchist „sieben oder neun Jahre“ erhalten würde, und wenn er etwas über „sie“ sagt, „wird er in ein „Cockpit“ (die spezielle russische Art von Zelle, in der Gefangene einen neuen vergewaltigen können. Die Wärter können diese Zelle als Bestrafungsraum benutzen) und dort umgebracht“.

Mikalai Dziadok wurde am 12. November gegen 5 Uhr morgens in das Untersuchungsgefägnis Okrestin in Minsk gebracht. Jetzt befindet er sich im Untersuchungsgefägnis #1.

25. November 2020

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.