08 Okt

Ihar Alinevich ist im Hungerstreik

Ihar Alinevich, ein Anarcho-Partisan, der wegen seiner Teilnahme am belarussischen Aufstand zu 20 Jahren Haft verurteilt wurde, befindet sich im Hungerstreik. Mitglieder des Anarchistischen Black Cross sammelten die neuesten Informationen über Ihar auf der Facebookseite seiner Mutter Valentina Alinevich und von seinen engen Freund*innen. Hier ist, was wir herausfinden konnten.

Am 5. Oktober hat Ihars Anwalt versucht, ihn zu besuchen, was ihm aber nicht gelang. Er wird nächste Woche wieder versuchen, ihn zu erreichen. Unbestätigten Berichten zufolge befindet sich Ihar immer noch in der Strafzelle, wo er vom Staatsanwalt besucht wurde. Es ist sehr schwierig, Informationen über Ihar zu erhalten. Selbst seine Mutter hat ihren Sohn seit Jahren nicht mehr gesehen; es gibt keine Möglichkeit, ihn telefonisch zu erreichen, alle Briefe werden zensiert und erreichen ihn oft überhaupt nicht. Es mag schwer nachvollziehbar zu sein, aber wenn ein Land „keinen Kontakt zum Gesetz“ hat, dann kann es sein, dass die Informationen recht spärlich sind.

Ihars Hungerstreik und seine Forderungen

Ihar begann seinen Hungerstreik am 19. September 2022. Die genauen Forderungen sind nicht bekannt, aber offenbar war der letzte Tropfen, der das Fass zum überlaufen brachte seine Unterbringung in einer Strafzelle an seinem Geburtstag. Zuvor hatte er sich bei höheren Behörden über die Willkür der Gefängnisverwaltung beschwert, erhielt aber keine Antwort. Daher vermutete Ihar, dass diese Beschwerden das Gefängnis überhaupt nicht verlassen haben.

Überführung in das Gefängnisregime

Von dem Lager, in dem Ihar seine Strafe verbüßte, wurde er in ein Gefängnis verlegt. Unter welchem Vorwand, ist nicht bekannt, aber er hatte angenommen, dass dies
geschehen würde. Im Gefägnisregime werden politische Gefangene isoliert, während in einer Knastkolonie(Lager) Gefangene mehr Freiräume haben. Dies ist ein Situation, die auch andere politische Gefangene betrifft. Wenn ein Mensch Würde und Willen hat, ist dies eine notwendige Konsequenz.

Der Fall von 2010

Der Fall des Brandanschlags auf das Auto der russischen Botschaft im Jahr 2010 ist nun wieder auf der Tagesordnung. Ihars Gefährte, der Anarcho-Partisan Dmitri Dubovsky, der damals dem Zugriff des Geheimdienstes entkommen konnte, wird nun für diesen Fall vor Gericht gestellt werden. Ihar wurde damals verhaftet und erhielt seine erste Strafe. Wahrscheinlich wird jetzt versucht, ihn als Zeugen vorzuladen. Ihar hat seine Geschichte ausführlich in seinem Buch „Auf dem Weg nach Magadan“ beschrieben. In seiner Aussage während des Prozesses im Jahr 2011 hat er sich darüber empörte, dass Dmitri in seiner Abwesenheit für schuldig befunden wurde.

Haltung gegenüber AnarchoPartisanen in Belarus

Sowohl die Oppositionsmedien als auch Bürger*innen hegen große Sympathie für die vier verurteilten Anarcho-Partisanen, obwohl die Behörden immer wieder versuchen sie als gefährliche Terroristen zu stigmatisieren.

Was können wir tun, um zu helfen

Nur eines – das Regime zu stürzen.

Das neue Buch von Igor

Im Gefängnis begann Ihar mit dem Schreiben eines futuristischen Thrillers „Die Rote Wiege“. Er ist noch nicht fertig. Er hat noch viele Ideen, sowohl über Technik als auch über die Geschichte. Er glaubt an die Zukunft der Menschheit.

Ihars Zustand jetzt.

Es gibt keinen Kontakt zu Ihar, aber sowohl seine Mutter als auch seine Freund*innen glauben dass er nicht gebrochen ist. Für Ihar ist das Kämpfen eine Norm und eine Notwendigkeit. Wir müssten uns eher Sorgen machen, wenn er nicht versuchen würde, auf irgendeine Weise zu kämpfen.

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